Wieviel Kommunikation braucht der Mensch?
Montag der 09.02.2009 um 21:38 | Draicwing |Dass ich in ebendiesem Augenblick, in dem ich diese Worte und Sätze tippe, wie so oft an meinem Computer sitze, brauche ich eigentlich nicht erwähnen und dennoch ist genau diese Begebenheit für das was ich meinen Lesern hier mitteilen will, von großer Bedeutung. Es ist nicht allzulange her - ich erinnere mich, als wäre es gerade erst gewesen - da lag ich wie an so vielen Abenden am Boden meines Kinderzimmers und lauschte gebannt den Hörspielen und "Shows" im Radio. Die Welt war zwar auch damals nicht in Ordnung, aber sie war um vieles langsamer und gemütlicher. Ich habe mir oft versucht einzureden, dass dieser Eindruck nur daher rührt, dass ich damals noch Kind war und keine großen Verpflichtungen hatte. Inzwischen glaube ich aber, dass das noch lange nicht alles ist, was sich geändert hat. Ich bin gefangen im weltweiten multimedialen Netzwerk, dem man nur mehr schwer entrinnen kann.
Die aktuelle Jänner-Ausgabe des Magazins "economy" steht ganz im Zeichen der Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen alten und neuen Medien und verweist dabei auch auf ein Interview von Matthias Horx. Diese Thematik ist weder neu, noch sonderlich originell, da sie bereits seit langem aus allen Blickwinkeln beleuchtet und diskutiert wurde. Dennoch ist sie immer noch, bzw. gerade heute so aktuell wie nie zuvor. Viele Menschen kommen ohne kommunikative und mediale Anbindung nicht mehr aus. Komplett abzuschalten und ohne Handy oder Internet auszukommen wird zum Luxus - für viele Menschen kaum mehr vorstellbar.
"Wieviel Kommunikation braucht der Mensch?" Vielleicht sollte ich gar fragen: "Wieviel Kommunikation verträgt der Mensch?". Manchmal bin ich selbst überrascht, wieviel mediale Beschallung und Berieselung ich mir zumute und auch aushalte. Eigentlich sollten Neue Medien ein Mehr an Komfort bringen und ein selbst bestimmtes Leben fördern. Das können sie auch, nur ist es schwer zu begreifen, wie das geht. Alte Medien hatten ihren Zeitplan und ließen sich kaum aktiv mitbestimmen. Neue Medien stehen jederzeit auf Abruf bereit und man ist leicht versucht, so viel wie möglich zur Selben Zeit zu Konsumieren. Die Folgen zeigen sich nach und nach immer deutlicher: Schlafentzug, Nervosität, Unaufmerksamkeit und schließlich auch eine schwache Gesundheit. Auch hier ist es wichtig, mit Eigenverantwortung auch korrekt und sinnvoll umzugehen.
Wir alle müssen lernen, mit der Flut an Informationen, Kontakten und was die Neuen Medien noch alles bieten umzugehen. Genau dieser Verarbeitungsprozess hat vor Kurzem eingesetzt. Galten Neue Medien bis vor Kurzem noch als neu und aufregend, hat sich nun eine gewisse Übersättigung eingestellt. Verarbeitungsprozesse wurden in Gang gesetzt und immer mehr Menschen erkennen das Leben abseits von Handy und Internet wieder als den wahren Luxus. Ist es nicht angenehm, nicht alle paar Minuten den E-Mail-Posteingang zu kontrollieren oder wegen eines Anrufs zum Mobiltelefon greifen zu müssen? Der Computer bleibt zwar weiterhin das Zentrum des kommunikativen- und medialen- Lebens sowohl privat als auch im Beruf, doch er wird immer öfter wieder als das erkannt, was er eigentlich ist: ein Arbeitsgerät.
Mit dieser Erkenntnis und dem Drang, wieder mehr Ruhe und Behaglichkeit zu erleben sollte man sich überlegen, wie das funktionieren soll und kann. Dazu muss man den Computer nicht einmal ausschalten, man muss ihn nur zu nutzen wissen und erkennen, dass man nicht jederzeit in Skype präsent sein muss, dass man ein Mail-Programm auch ausschalten kann, ebenso wie ein Mobiltelefon. Der Computer ist lediglich eine Maschine, die unterschiedlichste Funktionen erfüllen kann, aber deshalb nicht zwangsläufig auch muss. Nur wenn man es partout nicht schaffen sollte, auch einmal alle Kommunikationsmittel zu deaktivieren und somit potentielle Störquellen zu beseitigen, sollte man überlegen, die Blechkiste hin und wieder einmal einfach wegzuschließen.
zwei Kommentare
Richtig. Das schöne an den neuen Medien ist aber ja gerade, dass man sich selbst einteilen kann, wann man sie konsumiert. Daher muss ich nicht mehr um 8 die Nachichten gucken oder kann jetzt hier im Wartezimmer beim Arzt news oder Blogs lesen und sogar kommentieren. Den Fehler, alles lesen zu wollen, macht jeder, der sich zum ersten Mal mit News-Aggregatoren, Twitter oder Feeds auseinandersetzt, aber man lernt schnell zu filtern, vor allem da die meisten Nachichten sowiso mehrfach publiziert werden.
Die schöne neue Medienwelt verlangt zwar mehr vom Konsumenten, aber das hilft ja auch diesen zu mehr selbstständigkeit im Umgang mit Medien zu erziehen.
Akku (E-Mail) (URL) - 02-03-’09 09:21Einer oder mehrere Kommentare sind noch nicht freigeschaltet.